Schlägerinnen-Stopp! Gewaltschutz für Männer.

Vorbemerkung (28-10-2011)

Die Autorin der hier wiedergegebenen Hausarbeit, eine Studentin, die nicht namentlich genannt sein will, überließ mir ihren Text zur Verwendung als Gastbeitrag in diesem Webportal. Sie hatte sich vor Erstellung ihrer Arbeit mit einigen Fragen an mich gewandt. Die fertige Arbeit ist, wie die Autorin mir mitteilte, mit "Sehr gut" benotet worden. Tatsächlich enthält sie alles Wesentliche zum Thema nach dem gegenwärtigen Wissensstand, soweit dies in dem gebotenen Rahmen möglich ist.

Da diese Arbeit auch sehr angenehm zu lesen ist, freue ich mich, sie auf diese Weise publik machen zu können. Der Autorin sei auch an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Erlaubnis zur Veröffentlichung gedankt.

Wenn Frauen "aus der Rolle fallen" - Zur Gewalt von Frauen gegenüber Männern

Inhalt

1. Einleitung
2. Annäherungen an den Gewaltbegriff
3. Männer als Opfer weiblicher Gewalt
3.1. Formen weiblicher Gewalt gegen Männer
3.1.1. Physische Gewalt
3.1.2. Psychische Gewalt
3.1.3. Sexualisierte Gewalt
3.2. Ursachen
3.3. Folgen
4. Fazit
5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Beklagte man sich noch vor fünfzehn Jahren darüber, dass die vorhandene Literatur zu weiblichen Gewalt-Tätern eher spärlich sei (vgl. dazu Harten 1995, S. 86), so hat sich diese Lage mittlerweile geändert. Das Thema der weiblichen Gewalt und Aggressivität hat Einzug gehalten in die wissenschaftliche Forschung und wird auch auf populärer gesellschaftlicher Ebene diskutiert. Doch auch wenn sich das Wissen(sinteresse) auf diesem Gebiet erweitert hat, so verbleibt ein wichtiges und nicht zu unterschätzendes Phänomen bisher weiterhin im Schatten: die weibliche Gewalt gegen Männer und Jungen. Auch männlicher Opfererfahrung wird mittlerweile mehr Aufmerksamkeit zuteil. Jedoch scheint auch im Falle eines männlichen Opfers die Rolle des Täters festgelegt und eingemeißelt in unser, fast ist man verleitet zu sagen: Weltverständnis- selbstverständlich ist der Täter männlich. Das mag verständlich sein und eine logische Konsequenz der Tatsache, dass die Mehrzahl der Täter immer noch männlich ist und sich die häufigste Gewalt nach wie vor von Männern gegen Männer richtet. Zahlen der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik belegen das.

Die Akzeptanz der generellen weiblichen Täterschaft hat sich nahezu etabliert. Wie aber kommt es, dass die Täter-Opfer-Konstellation - weiblich Täter, männlich Opfer - nach wie vor auf Ungläubigkeit, mindestens jedoch auf Unbehagen stößt? Wird das Thema angesprochen, so kommt es immer wieder zu Fragen wie: Warum tun Frauen das? Wie kann das sein, wo der Mann doch normalerweise der körperlich Überlegenere ist? Wie äußert sich weibliche Gewalt gegenüber Männern? Was gibt es für Hilfsmöglichkeiten für Männer- und Frauen? Kann ein Mann definieren, wann er Gewalt erfährt? Nimmt er weibliche Gewalt überhaupt als solche wahr? Wie groß ist der Schaden? Ist er ein anderer in Abhängigkeit des Geschlechts? Und: Warum lassen sich Männer das gefallen?

Einem Großteil dieser Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Da sich aufgrund der enormen Tabuisierung wenig Literatur finden lässt und vorhandene Studien aufgrund geringer Fallzahlen oder nicht annehmbarer Validität kaum repräsentativ sind, stellt diese Arbeit eher einen Zusammentrag der aktuellen Situation dar.

Grundlage dieser Arbeit ist die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegebene Pilotstudie "Gewalt gegen Männer", die 2007 ihre Ergebnisse in gebundener Ausgabe herausbrachte. Sind Informationen aus ihr herangezogen, verweise ich im Text nur auf die "Pilotstudie". Des Weiteren befasst sich die zugängliche Literatur fast ausschließlich mit Gewalt von erwachsenen Frauen gegenüber Männern, weshalb ich im Zuge meiner Arbeit auch meist von Frauen und nicht von Mädchen, respektive von Männern und nicht von Jungen sprechen werde.

2. Annäherung an den Gewalt-Begriff

Der Gewaltbegriff lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Umfasste er zunächst ausschließlich physische Angriffe von einer Person auf eine andere, weitete er sich bald aus auf Gegenstände und Tiere. Heute unterscheidet man zusätzlich hinsichtlich des angreifenden Subjekts: Ist dieses eine Person, eine Institution oder gar ein ganzes System? Auch die Formen der Gewaltanwendung wurden um die der psychischen ergänzt (vgl. Heeg 2009, S. 16). Gerade dieser Punkt spielt bei dem Phänomen weiblicher Gewalt eine zentrale Rolle. Denn diese Gewaltform ist sowohl jene, die vermehrt von Frauen angewandt wird als auch die von beiden Geschlechtern eher akzeptierte, wenn es sich bei dem Gewalt ausübenden Subjekt um eine Frau handelt und/oder das Opfer männlich ist (mehr dazu in Kapitel 3.1.2.). Neben diesen wissenschaftlichen Differenzierungen und Weiterentwicklungen unterliegt der Gewaltbegriff generell einem historischen Wandel. Er ist also immer auch kontextgebunden. Das wird unter anderem dann deutlich, wenn man sich überlegt, welche Erziehungsmittel vor noch dreißig Jahren als angebracht und förderlich galten, heute hingegen einen immensen Verstoß gegen das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung darstellen würden. Auch die subjektive Wahrnehmung des Opfers ist ein den Begriff bestimmender Faktor: lässt sich überhaupt von Gewalt sprechen, wenn das Opfer eine Situation oder Handlung gar nicht als solche erfährt? Der Gewaltbegriff, den ich dieser Arbeit zugrunde lege, orientiert sich an jenem, welcher in der Pilotstudie "Gewalt gegen Männer" entwickelt wurde und den ich im Folgenden kurz erläutern möchte. Grundsätzlich wurde innerhalb der Studie das Augenmerk ausschließlich auf personale Gewalt gerichtet, das heißt auf jene Gewaltformen, die sich zwischen konkret benennbaren Personen ereignen. Weitgehend unberücksichtigt blieben strukturelle oder institutionelle Gewaltformen. Als personale Gewalt wird jede Handlung angenommen, die einer Person Verletzungen zufügt, körperlicher wie seelischer Art. Wichtig ist, dass mit dem Begriff "Handlung" die intentionale Ebene hervorgehoben wird: ein Mensch beabsichtigt, einem jeweils anderen zu schaden. Unfälle werden daher nicht mit eingeschlossen (vgl. Walter 2007, S. 21).

Anders als in vielen anderen Definitionsversuchen, welche zumeist aus der TäterInnen-Perspektive beschrieben sind, wird eine Gewalthandlung unter den Autoren der Studie aus der Opferperspektive beschrieben. Eine personale Gewalthandlung stellt demnach die Verletzung der physischen wie psychischen Integrität des Opfers dar, auf die mit Empfindungen wie Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, Schmerz, Ohnmacht und Wut reagiert wird. In dem Moment des Geschehens erfahren die Opfer das Gefühl des "angetan bekommen" (vgl. ebd., S. 21). Sie befinden sich also in einer passiven und unterdrückten Position.

Auch beim spezifischeren Begriff der "sexualisierten Gewalt" besteht Uneinigkeit in den Definitionen. Wissenschaftlicher Konsens besteht nur darin, "dass alle sexuellen Handlungen, die durch Drohungen oder körperliche Gewalt erzwungen werden, sexueller Missbrauch sind" (Bange 2002b, S. 49; zit. n. Walter 2007, S. 49) und dass bei sexuellem Missbrauch an Kindern der Täter seine Macht- und Autoritätsposition ausnutzt, um die eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.

3. Männer als Opfer weiblicher Gewalt

Aktuelle Studien zeigen: noch immer führt das männliche Geschlecht die Gewalt- und Kriminalitätsstatistiken an. Die aktuellste Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass die Gesamtzahl aller Tatverdächtigen zu 74,6 % von männlichen, zu 25,4 % von weiblichen Personen ausgemacht wird (vgl. PKS 2010, S. 28). Dass insgesamt mehr Männer zu Opfern von Gewalttaten werden lässt schlussfolgern, dass die häufigste Gewalt immer noch in einer homogen männlichen Täter-Opfer-Konstellation zu finden ist (nur bei den Straftaten gegen die persönliche Freiheit zeigen die Zahlen ein ausgeglichenes Verhältnis von 51,5 % männlichen und 48,5 % weiblichen Opfern, bei sexualisierten Gewalttaten kehrt sich das Verhältnis um auf 7,8 % und 92,2 %) (vgl. ebd., S. 21). Man geht allerdings davon aus, dass die angezeigten Gewalttaten nur in den Kriminalstatistiken ein solches Bild aufzeigen. Das Problem des Dunkel- bzw. Hellfeldes ist bekannt: es werden nur jene Fälle erfasst, die der Polizei bekannt geworden und als Straftat registriert worden sind. Diese Zahl ist somit sowohl abhängig vom Kontrollverhalten der Polizei als auch vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung und des Opfers. Wenn es um männliche Opferschaft durch weibliche Täterinnen geht, gibt es mehrere Gründe für die Annahme, dass die Dunkelziffer immens hoch ist: Zunächst einmal bringen Männer in den seltensten Fällen einen erfahrenen Gewaltakt zur Anzeige, geschweige denn überhaupt zur Sprache. Sie schweigen mitunter jahrelang zu einer erlebten Tat. Männliche Opfererfahrung wird durch zugeschriebene Rollen-Stereotypen verdeckt: Der Mann hat stark zu sein. Ein "richtiger" Mann kann sich wehren. Ein Mann muss so etwas wegstecken können. Männer wie Frauen stehen dem Mann dessen Verletzbarkeit nicht zu und seine Hemmungen diesbezüglich sind umso größer, wenn er Gewalt durch das vermeintlich "schwächere" und "sanftere" Geschlecht erfahren hat. Gewalttätiges Verhalten von Mädchen und Frauen wird außerdem anders wahrgenommen und bewertet als männliches gewalttätiges Verhalten. Das Geschlecht einer Person löst eine Reihe von bewussten oder unbewussten bestimmten Erwartungen, Reaktionen und Deutungsmustern aus (vgl. Popp 2003, S. 199). Aggression, Brutalität und Gewalt wird Frauen nicht in dem Maße zugetraut wie Männern. Das hat erhebliche Folgen für das Anzeigeverhalten einer weiblichen Gewalttat: wird man Zeuge eines Gewaltakts von einer Frau einem Mann gegenüber, wird dieser schnell bagatellisiert. Es wird schon einen Grund geben, wahrscheinlich hat der Mann es ja sogar verdient? Grenzverletzendes Handeln seitens der Männer wird generell aus bedrohlicher angesehen. Gewalt gegenüber einer Frau wird meistens gedeutet als Zeichen von Schwäche und als unehrenhaft angesehen, während insbesondere körperliche Gewalt von einer Frau meist als symbolische und defensive Handlung angesehen wird (vgl. Harten 1995, S. 70 ff.). Weibliche Gewalt dem Mann gegenüber, so lässt sich festhalten, ist gesellschaftlich nach wie vor eher akzeptiert als männliche Gewalt einer Frau gegenüber. Durch die weibliche Sozialisation und den darin implizierten weiblichen Opferstatus ist ein Rahmen geschaffen, in dem es der Frau erleichtert wird, über ihre Tat zu sprechen und diese zu legitimieren (vgl. Wieczorkowsky 2008, S. 19). Dem Mann hingegen wird erschwert, sich offen dazu zu äußern.

Im Folgenden sollen sowohl die verschiedenen Formen weiblicher Gewalt gegenüber Männern beleuchtet werden als auch die Ursachen und Konsequenzen, die eine solche Umkehrung der Täter-Opfer-Konstellation mit sich bringt.

3.1. Formen weiblicher Gewalt gegen Männer

3.1.1. Physische Gewalt

Viele Studien kommen zu dem Schluss, dass gerade Jungen in der Erziehung vermehrt unter physischer elterlicher Gewalt leiden als Mädchen. Nimmt man an, dass es hauptsächlich die Mütter sind, die die Erziehung übernehmen, so ließe das darauf schließen, dass auch diese es sind, die hauptsächliche körperliche Gewalt als "Erziehungsmaßnahme" anwenden. Aufgrund fehlender Informationen zu Täter-Opfer-Konstellationen in diesem Bereich kann das allerdings nur eine Vermutung bleiben. Ein anderes Phänomen weisen die Autoren der Pilotstudie auf: nicht selten ist es die Mutter, die ihrem Partner (Vater oder Stiefvater) von den "Verfehlungen" des Sohnes berichtet und aufträgt, körperliche Züchtigung anzuwenden (vgl. Walter 2007, S. 40). Warum es gerade die Jungen sind, die vermehrt körperliche Gewalt erfahren, könnte damit erklärt werden, dass man aufgrund verinnerlichter Geschlechtsrollenbilder der Meinung ist, Jungen könnten das vertragen, bräuchten mitunter "eine harte Hand" damit sie zum "richtigen" Mann werden. Jungen sind in ihrer Entwicklung meist selbst körperlich herausfordernder, sie raufen sich eher als Mädchen, sie sind grober im Umgang. Das kann dazu verleiten, mit einer gröberen Art auf sie zu reagieren, als das bei Mädchen der Fall ist.

In vielen Bereichen zeigt sich, dass Männer und Jungen physische Gewalt öfter als Mädchen erleiden, sei es in der Öffentlichkeit und Freizeit oder in der Schule und Ausbildung. In den meisten Fällen sind sich Untersuchungen einig: die Täter sind meistens selber männlich. Zu weiblichen Täterinnen fehlen auch hier exakte Aufschlüsselungen. Schaut man in den Bereich der häuslichen Gewalt, also der Gewalt, die sich unmittelbar zwischen der im Haushalt zusammenlebenden Personen ereignet, trifft man auf Ungläubigkeit, wenn man das Täter-Opfer-Verhältnis umkehrt: So etwas lässt sich doch kein Mann gefallen! Und wie soll das überhaupt gehen, dass eine Frau einen physisch überlegenen Mann angreift? Es ist zwar richtig, dass es sich bei dem Mann meist um den körperlich überlegeneren Part handelt. Nicht zu unterschätzen ist jedoch das Überraschungs-Moment: in der Regel geht der Mann erst einmal nicht davon aus, dass die Frau tatsächlich "handgreiflich" wird. Außerdem wird er in der Regel durch das Wissen um seine Stärke davon abgehalten, sich der Frau gegenüber körperlich aggressiv zu verhalten, aus auch Angst vor möglichen Schädigungen (vgl. Gemünden 2003, S. 342).

Im wissenschaftlichen Diskurs besteht mittlerweile Einigkeit darüber, dass es häusliche Gewalt gegen Männer gibt. Umstritten bleibt aber die Frage um Quantität und Qualität: viele Studien zeigen, dass sich das Verhältnis die Waage hält. Einige gehen sogar von einem größeren Anteil weiblicher Gewalt aus. Eine frühe Studie von Straus et al. aus dem Jahre 1975 zeigt, dass von 2.341 befragten Personen 49 % aller Paare beidseitig gewalttätig waren, in 27 % nur der Mann, in 24 % nur die Frau gewalttätig war. Eine weitere Aufschlüsselung nach einzelnen Gewaltformen ergab, dass schwere Formen von Gewalt etwas häufiger von Frauen ausgeübt wurden als von Männern (vgl. ebd., S. 338). Ein deutliches Übergewicht männlicher Gewalt gegen Frauen scheint nur in der Kriminalstatistik zu existieren, viele repräsentative Befragungen ergeben häufig ein ausgeglichenes Verhältnis von männlicher zu weiblicher Gewalt. Dieses Bild könnte unterstrichen werden von der Annahme, dass häusliche partnerschaftliche Gewalt meistens in wechselseitiger Form auftritt. In der Pilotstudie wurden die Männer deshalb auch danach gefragt, wie häufig sie sich in Situationen wehrten, in der sie von der (Ex-)Partnerin angegriffen wurden. Das Ergebnis brachte zutage, dass mehr als jeder zehnte Mann einseitige körperliche Gewalt durch seine Partnerin erlitten hat. Zwei Drittel aller Männer gaben an, nie mit körperlicher Gewalt angefangen zu haben (vgl. Walter 2007, S. 151 ff.). Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch andere Studien: sie zeigten, dass Frauen in Partnerschaften sogar etwas häufiger als Männer Gewalt initiierten (vgl. Gemünden 2003, S. 341 ff.). Interessant ist außerdem, dass Frauen häufiger mit Gewalt auf die vom Partner ausgehende Gewalt reagieren als umgekehrt. Die Gründe dafür werden unter anderem darin gesehen, dass Männer lernen, sich gegenüber Frauen aufgrund ihrer physischen Überlegenheit zurückzuhalten. Außerdem fürchten sie, von ihren Partnerinnen als Frauenmisshandler hingestellt zu werden (vgl. ebd. S. 342).

Gerade im Bereich der physischen Gewalt ist es schwierig, diese zu erfragen. Männer holen sich nach wie vor selten Hilfe oder bringen die Gewalt zur Anzeige. Die Gründe hierfür sind vielfältig: nach wie vor fehlt das Bewusstsein darüber, dass es ein Unrecht ist, wenn eine Frau einen Mann schlägt. Gewalt gehört zum Alltag eines Mannes, es ist ein Stück weit Normalität. Auch die Scham der Betroffenen ist groß, da mit einem körperlichen Angriff seitens der Partnerin viele gesellschaftlich akzeptierte und etablierte Geschlechtsstereotype ins Wanken geraten: ein Mann kann kein Opfer sein, der Mann kann sich wehren aufgrund seiner physischen Überlegenheit. Nicht selten spielt auch die Angst des Mannes eine Rolle, dass ihm nicht geglaubt werden würde oder die Angst vor der Rache der Partnerin. Letzteres führt zu dem nächsten Punkt, der psychischen Gewalt.

3.1.2. Psychische Gewalt

Wie oben bereits erwähnt, ist psychische Gewalt zum großen Teil spezifisch weibliche Gewalt. Erklärt werden kann das unter anderem mit der geschlechtsspezifischen Sozialisation: Männer und Frauen werden mit unterschiedlichen Kompetenzen ausgestattet. Aufgrund ihrer meist zutreffenden Überlegenheit im Bereich der sprachlichen, emotionalen und "Beziehungs-Kompetenz" beherrschen Frauen diesen Bereich eher und wählen ihn daher öfter als Mittel, um ihren Aggressionen Ausdruck zu verleihen. Zur psychischen Gewalt gehören unter anderem Beschimpfungen, Demütigungen, emotionales Erpressen oder das Lächerlich-Machen des Gegenübers. Im Kindes- und Jugendalter zählt man hierunter auch noch die Konfrontation mit belastenden, nicht altersgemäßen Dingen und den emotionalen Missbrauch, welchen das Kind erfährt, wenn es zum Partnerersatz gemacht oder als Puffer zwischen beiden Elternteilen missbraucht wird. Gerade ersteres ist oftmals ein Phänomen, welches sich vermehrt bei Frauen finden lässt. Ist der Vater abwesend, wird der Sohn von der Mutter in die Vaterrolle gedrängt, er soll dessen Aufgaben in verschiedenen Bereichen übernehmen. Dieser emotionale Missbrauch reicht bis hin zum sexuellen, wenn der Sohn zum reellen Sexualpartner der Mutter gemacht wird. Lehnen Frauen ihren männlichen (Ex-)Partner ab, kann sich diese Ablehnung generalisieren und auf den Sohn übertragen: "Männlichkeit" wird dann durch andauernde Demütigungen degradiert. Es kann auch vorkommen, dass der Sohn zu einem "besseren" Mann erzogen werden, das heißt verständnisvoll, abhängig, liebevoll, beschützend, verfügbar sein soll. Mütter versuchen, dieses über implizite oder explizite Wünsche oder gar Drohungen zu realisieren (vgl. Walter 2007, S. 44). Im Bereich der partnerschaftlichen Gewalt zeigte der quantitative Vergleich der erhobenen Zahlen der Pilotstudie, dass psychische Gewalt öfter als physische von Männern erfahren wurde (vgl. ebd. S. 160). Eine höhere Validität der Angaben kann angenommen werden, da es in diesem Bereich kaum Motive gibt, derartige Gewalterfahrnisse zu verschweigen. Es widerspricht den Geschlechtsstereotypen weniger, wenn Männer Opfer psychischer Gewalt werden und Frauen Täterinnen auf diesem Gebiet sind. Eine weitere Studie zeigte, dass Männer eher psychologischen Druck wahrnehmen als physische Gewalt (vgl. Harten 1995, S. 68)- ein weiterer Beleg dafür, dass sich Männer die Opferrolle in dieser Form eher zugestehen als in dem Bereich, in dem sie normalerweise als der Überlegenere gelten. Gerade in Trennungssituationen erleben Männer häufig psychische Gewalt von der Partnerin. Drohungen reichen von Selbstmord bis hin zum Kindesentzug. Derartige psychische Gewalt ist in ihrer Anwendung oftmals Mittel, emotionale Abhängigkeit und Angst zu schaffen und der Grund, weshalb Männer zu Gewalthandlungen jeglicher Art eher schweigen, anstatt sich Hilfe zu holen.

3.1.3. Sexualisierte Gewalt

Sexuelle Gewalt und sexuelle Übergriffe sind nach wie vor Ausdruck spezifisch männlicher Gewalt gegen Frauen. Die oben bereits angeführten Zahlen aus der aktuellen PSK belegen dies. Doch es gibt auch die andere Seite: jedes dritte Opfer sexuellen Missbrauchs ist männlich (vgl. Bösch 2007, S. 192). Auch hier findet man selten eine Aufschlüsselung nach TäterInnenschaft, da meist ausschließlich männliche Opferzahlen erhoben werden. Trotzdem gehen viele bisherige Studien von einer vermehrten männlichen Täterschaft aus. Angaben, wie viel Prozent der missbrauchten Männer von Frauen missbraucht wurden, schwanken zwischen 7 und 28 %, manche weisen sogar einen noch höheren Anteil von Täterinnen aus. So kommt eine Berliner Studie zu einem Täteranteil von 53,4 % (n = 23) und einem Täterinnenanteil von 46,5 % (n = 20) (vgl. Walter 2007, S. 53 ff.).

Geht man davon aus, dass TäterInnen bevorzugt in einem Umfeld missbrauchen, welches sie kontrollieren können, wird klar, warum sich die meisten Täterinnen im familiären und (vor-)schulischem Bereich finden lassen. Dieses stellt ihren spezifischen Machtbereich dar, da hier immer noch vorwiegend Frauen die Hauptbezugspersonen sind: entsprechend der immer noch vorherrschenden geschlechtlichen Arbeitsteilung kümmert sich meist die Mutter oder eine andere weibliche Person um das Kind, während der Vater oft abwesend ist (vgl. Schlingmann 2004, S. 5). Später werden die Kinder in die Obhut von Erzieherinnen gegeben, dann kommen sie in die Grundschule - ebenfalls eine Institution, die fortwährend durchwirkt ist von Frauen.

Werden Jungen durch weibliche Personen missbraucht, kann die Wahrnehmung und Aufdeckung erschwert werden durch das "Totschlagargument" der (mütterlichen) Liebe und Zuneigung, der Sorgsamkeit, Pflege und Körperhygiene. In der Pilotstudie wurde deshalb u.a. auch retrospektiv danach gefragt, ob die Betroffenen in ihrer Kindheit und Jugend gezwungen wurden, sich von anderen waschen oder eincremen zu lassen (vgl. Walter 2007, S. 63). Das zeigt zum einen auf, wie weit der Begriff der sexualisierten Gewalt gefasst ist, zum anderen, wie schwierig es ist, in diesem hochsensiblen Bereich Grenzen auszumachen (ist das Windelwechseln von der der Kindergärtnerin schon ein sexualisierter Gewaltakt, wenn der Junge das von niemandem außer der leiblichen Mutter machen lassen will?).

Frühere amerikanische Studien zum sexuellen Missbrauch an Männern fanden, dass erzwungene sexuelle Handlungen durch Frauen seltener seien als sexuelle Belästigung. Darunter fielen z.B. das ungewollte Küssen, physische Annäherungen oder auch eindeutige sexuelle Angebote (vgl. Harten 1995, S. 67). Diese Art sexualisierter Gewalt ließ sich oftmals im näheren Umfeld der Männer finden, wie auf dem College oder der High-School. Auch von so genannten Dating-Partnerinnen wurden derartige sexuelle Belästigungen berichtet.

Im Bereich der erlebten sexualisierten Gewalt des Mannes durch die Partnerin gibt es aufgrund der starken Tabuisierung kaum Literatur. Mehrere Mechanismen und Stereotypen verhindern, dass sexualisierte Gewalt als solche wahrgenommen und angezeigt wird: Zum einen wollen Männer dem Männerbild gerecht werden, laut dessen sie immer "können" und "wollen". Sie lassen sich gegen ihren Willen auf sexuelle Handlungen ein, um nicht als "unmännlich" zu gelten (auch das ist ein Punkt, an dem Frauen häufig psychische Gewalt anwenden: sie pochen auf die "Männlichkeit" des Mannes wenn er mal nicht will, verhöhnen diese, wenn er nicht kann.). Zum anderen gilt auch hier wieder das Stereotyp: Männer können nicht Opfer sein, erstrecht nicht Missbrauchs-Opfer einer Frau. Nicht selten hört man dazu den Satz: wenn nichts passiert, dann will er auch nicht- wenn etwas passiert, dann will er auch. Bis vor kurzem war es auch nach juristischen Definitionen nicht möglich, dass ein Mann vergewaltigt wurde, erstrecht nicht von einer Frau (vgl. Walter 2007, S. 161). Dabei belegen schon frühe Studien, dass dies, rein physiologisch gesehen, durchaus möglich ist (vgl. dazu Harten 1995, S. 81).

3.2. Ursachen

So wie das gewalttätige Verhalten von Frauen anders wahrgenommen wird als das der Männer, so werden auch Begründungen anders formuliert. Man ist geneigt, Frauen zu psychiatriesieren, während Männer eher kriminalisiert werden (vgl. Popp 2003, S. 206). Will heißen: Während der Mann sofort in die eindeutige Täterrolle gezwängt und in seinem Gewalthandeln grundsätzlich die schlechte und unverzeihliche Tat gesehen wird, wird die Frau als "die wildgewordene Furie" angesehen, der im Affekt mal die Hand ausrutscht, die aber schon ihre Gründe dafür haben wird. Der Mann bleibt der Täter und die Frau das Opfer seines vorangegangenen schlechten Verhaltens, weshalb er Liebesentzug oder eine Ohrfeige dann eben verdient hat.

Geht es um generelle Ursachenzuschreibung, so wird Frauen- und Mädchengewalt mit Abweichungen von der gesellschaftlichen Norm und mit Emanzipierungsbestrebungen erklärt (vgl. ebd. S. 207 ff.). Sie wollen sich wehren gegen starre Geschlechtsstereotypien, gegen klischeehafte Rollenzuschreibungen. Beschränkt man sich auf weibliche Gewalt gegen Männer, findet man wenige Studien darüber. Einige Forscher versuchten, subjektive Motive für eine Gewaltanwendung zu erfragen, allerdings stießen sie auf das Problem, dass bei Items wie "Einschüchterung", "Notwehr", "Eifersucht" oder "unkontrollierte Wut" geschlechtsspezifisch unterschiedliche Attributionen hervorgerufen werden können, was die Ergebnisse verfälschen würde (vgl. Gemünden 2003, S. 343). Trotzdem fanden sie, dass Männer leicht bei dem Item "Einschüchterung", Frauen bei dem der "Notwehr" dominierten. Es bleibt offen, inwieweit auch das mit dem Rollenverständnis zu erklären wäre: mitunter handeln Frauen gar nicht unter Notwehr, rechtfertigen ihre Tat aber damit, damit sie - intentional oder unbewusst - in ihrer für sie "reservierten" Opferrolle verbleiben können.

In einer anderen Studie untersuchten FIEBERT et al. (1997) Gründe, warum Frauen ihre Männer angriffen. Verletzte Gefühle, ein Zuviel oder Zuwenig an Liebe wurden hier als Gründe angegeben: der Partner zeigte sich nicht feinfühlig gegenüber den Bedürfnissen, er hörte nicht zu. Außerdem erhofften sich manche Frauen, durch ihre offene Aggression Aufmerksamkeit zu erlangen (vgl. Wilde 2002, S. 8 ff.). Oftmals spielen auch Macht- und Kontrollbestrebungen eine Rolle bei weiblicher Gewalt gegen den männlichen Partner. Besonders häufig betroffen davon sind Männer, die in emotionaler oder finanzieller Abhängigkeit zu ihrer Partnerin stehen. Das lässt die Frau in eine starke Position rücken, was einen Konflikt schaffen oder verschärfen kann: Er, der - gesellschaftlich gesehen - als Mann eigentlich die stärkeren Rolle innehaben sollte, verliert durch seine schwächere Position subjektiv an Männlichkeit und damit an Selbstbewusstsein. Die Frau fühlt sich überlegen, ein Gefühl, was sie zwar hervorrufen wollte und was sie durchaus als für sich positiv annehmen kann. Für die Partnerschaft aber wünscht sie sich einen "richtigen Mann", das heißt, einen der sich durchsetzt, der seine Meinung vertritt, kurz: der stark ist. Ist das durch oben genannte Bedingungen nicht der Fall, ist das für manche Frauen offenbar Grund genug, sich ihrem Mann gegenüber demütigend oder sogar körperlich aggressiv zu verhalten. Sicherlich ist das sehr plakativ: nicht alle Männer fühlen sich in ihrer männlichen Identität bedroht, wenn die Frau beispielsweise mehr verdient. Und hoffentlich passiert es in den seltensten Fällen, dass eine Frau Männlichkeit am Einkommen festmacht. Ist dieses aber der Fall, dann ist der oben genannte Mechanismus durchaus ein beobachtbarer und kann als Ursache für weibliche Aggression gegen einen in diesem Falle spezifischen Mann, nämlich den Partner, angesehen werden.

Auch können schlechte Erfahrungen mit einem Mann generalisiert werden- häufig kann man das nach Trennungen/Scheidungen beobachten. "Männlichkeit" wird dann zum Feindbild, was bekämpft wird. Meistens passiert das mit verbalen Mitteln, indem Männer schlecht geredet und gedemütigt werden.

Insgesamt gibt es kaum Erklärungsansätze zu diesem spezifischen Teilgebiet weiblicher Gewalt und Aggressionen. Begründungen bleiben letztlich nur Begründungsversuche und Vermutungen. Wünschenswert wäre, wenn in Zukunft auf diesem Gebiet genauer nachgeforscht würde.

3.3. Folgen und Konsequenzen

Je nach Form der weiblichen Gewalthandlung wirkt sich diese in unterschiedlichem Maße auf den Mann aus. Wie bereits erwähnt, werden psychische Gewalterfahrungen eher als solche angenommen und akzeptiert, als physische. Dennoch würden Männer wohl auch hier kaum von explizit von einer "Gewalt"-Erfahrung berichten. Schon allein die Begrifflichkeit löst in dem Mann Ablehnung hervor: ein Mann kann keine Gewalt seitens einer Frau erfahren. Oftmals positionieren sich Männer wieder selber in der Täterrolle, in dem sie zumindest eine Teilschuld auf sich nehmen. Es werden Erklärungen und Rechtfertigungen für die weibliche Tat angegeben, dessen Gründe auf männlicher Seite zu suchen sind: man habe es ja nicht anders verdient, weil man sich wirklich "daneben" verhalten hätte. Neben dieser Negierung der Opferrolle werden Gewalterfahrungen ins Lächerliche gezogen und somit bagatellisiert. Zunächst scheint es keinen plausiblen Grund dafür zu geben, dass die gleiche Form von Gewalt, unter den gleichen Bedingungen ausgeübt, unterschiedliche Folgen abhängig vom Geschlecht des Täters haben soll. Gerade bei sexualisierter Gewalt lässt sich jedoch genau das aufzeigen. Zwar stellt jede Form sexualisierter Gewalt einen immensen Angriff auf die Männlichkeit dar und akute Auswirkungen und langfristige Folgen sind zum Teil ähnlich wie die von missbrauchten Frauen. Ist der Täter jedoch weiblich, ist die Verunsicherung in der Geschlechtsrollenidentität enorm: eine Person des "starken" Geschlechts wurde missbraucht von einer Person des "schwächeren" Geschlechts- eine größere Erschütterung der bestehenden Rollenbilder gibt es nicht (hingegen zeigen Studien zur sexuellen Identität, dass die sexualisierte Gewalterfahrung durch ein gleichgeschlechtliches Gegenüber stärkere negative Auswirkungen hat; vgl. dazu Harten 1995, S. 88). Das gängige männliche Rollenbild macht es dem Mann unmöglich, sich Hilfe zu holen und die Opferrolle einzunehmen. Durch die männliche Sozialisation haben sie zudem geringere Fähigkeiten zur emotionalen Kommunikation. So fällt es ihnen schwerer, sich zu dem Erlebten zu äußern (vgl. Bösch 2003, S. 195).

Erfahren Jungen sexuellen Missbrauch durch Frauen, versuchen diese, das Erlebte in eine erste und einvernehmliche sexuelle Erfahrung umzudeuten (vgl. Schlingmann 2004, S. 6). Auch die Ausbildung von Hypermaskulinität hilft ihnen zur Bewältigung des Erlebten: die vom Verlust bedrohte Männlichkeit muss erhalten werden durch besonders männliches Verhalten (vgl. ebd., S. 7).

So wie sich Männer die Opferrolle nicht eingestehen können, so wird sie ihnen von Frauen ebenfalls nicht zugestanden. Frauen benutzen die weibliche Opferhaltung als Entschuldigung ihrer Tat. Es wird argumentiert, dass die Gewalttat nicht nur für den Mann unerträglich sei, sondern auch für die Frau: so wenig wie Er in die Opferrolle passe, so wenig passe Sie in die Täterrolle. Die enorme Diskrepanz von der fürsorglichen Partnerin hin zur gewalttätigen Täterin sei für Sie nicht lebbar, weshalb Frauen zur Verantwortungsgabe neigten: im Mann liegt der Grund, weshalb sie sich so verhält. Die ausgeübte Gewalt wird zur berechtigten Gegengewalt, zur "Notwehr" umgedeutet (vgl. Wieczorkowsky 2008, S. 16 ff.).

4. Fazit

Untersuchungen zeigen, dass das Phänomen weiblicher Gewalt gegen Männer ein nicht zu vernachlässigendes ist und Fälle dieser Art keine Einzelfälle sind. Trotzdem ist es nach wie vor ein großes Tabuthema. Wird es Gegenstand des Interesses, erzeugt es Spannungen und ist stark polarisierend. Manche neigen dazu, männliche Opfererfahrungen zu verharmlosen während andere wiederum so empört reagieren, dass mitunter davon gesprochen wird, dass Gewalt grundsätzlich weiblich sei. Das in jeglicher Hinsicht Spannende an diesem Thema ist, dass jeder betroffen ist. Jeder ist einem Geschlecht zugeordnet oder fühlt sich zumindest einem Geschlecht zugehörig. Und fast jeder hat schon einmal in einer Partnerschaft oder einer partnerschaftsähnlichen Beziehung gelebt. Beschäftigt man sich also mit diesem Thema, ist man in gewisser Hinsicht unmittelbar selber involviert. Dadurch fällt einem auf, wie sehr man selber in den Geschlechtsrollen "gefangen" ist und stößt gleichsam auf die große Schwierigkeit und das "Vertrackte" des Phänomens: Alle Beteiligten haben sich etabliert in ihrer Geschlechtsrolle. Frauen und Mädchen zeigen sich zwar verstärkt gewalttätig und brechen so das Stereotyp des sanften und friedlichen Geschlechts auf, aber in letzter Instanz verbleiben sie dennoch in der Opferrolle. Und auch Männer positionieren sich gerne in der Rolle des "stärkeren" Geschlechts. Es ist ein Gefüge, welches sich wechselseitig stabilisiert und in dem sich grundsätzlich alle Beteiligten wohl zu fühlen scheinen- solange es unproblematisch bleibt. Es wird klar, welche Gefahr von solch festgelegten und zugeschriebenen Rollen-Mustern ausgeht, die gleichermaßen Schutz und Verhängnis sind. Es kommt die Frage auf, ob sie durchweg negative Konsequenzen haben und ob man es anders haben wollen würde. Das ist, neben der bloßen Erfassung weiblicher Gewalt gegen Männer, die Schwierigkeit: diese tief verwurzelten Rollen-Muster aufzubrechen, da sie von allen Beteiligten mitunter gar nicht grundsätzlich aufgegeben werden wollen.

5. Quellenverzeichnis

- Bösch, C. (2007): Wendepunkt. Beratungsarbeit mit männlichen Opfern von sexuellem Missbrauch, Freiburg. In: Gahleitner, S. B./Lenz, H.-J. (Hrsg.): Gewalt und Geschlechterverhältnis. Interdisziplinäre und geschlechtersensible Analysen und Perspektiven. Weinheim/München: Juventa. S. 191-196

- Bundesministerium des Innern (2011): Die Kriminalität in der Bundesrepublik Deutschland. Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2010. Kurzbericht. Wiesbaden: Bundeskriminalamt

- Gemünden, J. (2003): Gewalt in Partnerschaften im Hell- und Dunkelfeld. Zur empirischen Relevanz der Gewalt gegen Männer. In: Lamnek, S./Boatca, M. (Hrsg.) (2003): Geschlecht. Gewalt. Gesellschaft. Opladen: Leske & Budrich. S. 333-353

- Harten, H.-C. (1995): Sexualität, Missbrauch, Gewalt. Das Geschlechterverhältnis und die Sexualisierung von Aggressionen. Lengerich: Westdeutscher Verlag

- Heeg, R. (2009): Mädchen und Gewalt. Bedeutungen physischer Gewaltausübung für weibliche Jugendliche. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

- Jungnitz, L./Lenz, H.-J./Puchert, R./Puhe, H./Walter, W. (2007): Gewalt gegen Männer. Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland. Opladen/Farmington Hills: Barbara Budrich Verlag

- Popp, U. (2003): Das Ignorieren "weiblicher" Gewalt als "Strategie" zur Aufrechterhaltung der sozialen Konstruktion vom männlichen Täter. In: Lamnek/S., Boatca, M. (Hrsg.) (2003): Geschlecht. Gewalt. Gesellschaft. Opladen: Leske & Budrich. S. 195-211

- Schlingmann, T. (2004): Und wenn es eine Frau war? Sexuelle Gewalt gegen Jungen durch Frauen. In: Prävention. Zeitschrift des Bundesvereins zur Prävention von sexuellem Missbrauch, Nr. 2/2004, Jg. 7, Heft 2, S. 5-8

- Wieczorkowsky, S., Oelemann, B. (2008): Genderorientierte Gewaltberatung. 20 Jahre Täter- und Täterinnenberatung im Dunkelfeld. Aufsatz anlässlich der Fachtagung der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden

- Wilde, H. (2002): Liebe und Gewalt - wenn Frauen zu Täterinnen werden. In: Switchboard - Zeitschrift für Männer- und Jungenarbeit, Nr. 154, Oktober / November. S. 8-10
Die Verfolgung des Orest
Gynokratische Gewalt.
Schlägerinnen-Stopp! Gewaltschutz für Männer.